Archäobotanische und pollenanalytische Untersuchungen zur Subsistenz und zum Umwelteinfluss der bronzezeitlichen Siedlung Fidvár, Slowakei

An der Fundstelle Fidvár nahe der Stadt Vráble ist eine der bedeutendsten Siedlungen der Frühen Bronzezeit der Slowakei lokalisiert. Auf den fruchtbaren Lößböden des Donau Hügellandes unweit der Erzlager der nahen Karpaten gelegen, zählte sie zu den größten ihrer Zeit. Siedlungsbefunde aus dem Neolithikum und römerzeitliche Grabensysteme zeugen von der hohen Attraktivität dieses Siedlungsplatzes auf den Menschen.

Die gut erhaltenen und mächtigen frühbronzezeitlichen Kulturschichten sowie drei in zeitlicher Abfolge genutzte Gräben zeugen von einer wechselhaften Jahrhunderte währenden Siedlungstätigkeit der Aunjetitzer-, Hatvan- und Mad’arovce Kultur. Die zahlreich überlieferten Hausstellen liegen innerhalb wie außerhalb des durch Gräben und Wälle befestigten Bereichs. Gruben finden sich bei den Häusern wie auch in einzelnen Arealen abseits der eigentlichen Siedlung.  Weiter südlich schließt sich ein zugehöriges Gräberfeld an.

Gräben, Gruben und Häuser haben sich als teilweise sehr ergiebige archäobotanische Archive erwiesen. So konnten innerhalb der Hausgrundrisse mehrere Kilo verkohlten Getreides geborgen werden. Über die Wechsel in den Getreidespektren sollen Änderungen in der Ökonomie der frühbronzezeitlichen Kulturen als auch mögliche Unterschiede zwischen einzelnen Siedlungsarealen erarbeitet werden. Für die Rekonstruktion der früheren Lebensumstände werden neben den archäobotanischen auch palynologische Untersuchungen sowie Analysen der vorgefundenen Holzkohlen und Schneckenspektren durchgeführt. Isotopenanalysen versprechen zusätzliche Aussagen zu den ackerbaulichen Verhältnissen.

Die archäobotanischen Untersuchungen erfolgen am NIhK und werden von Dr. Frank Schlütz durchgeführt. Das Projekt ist in den Forschungsverbund „Fidvár bei Vráble – eine Siedlung an der Schnittstelle der alteuropäischen Metallurgieprovinzen. Interkulturelle Dynamik und Umweltveränderungen an einer landschaftsökologischen Schlüsselregion im östlichen Zentraleuropa“ eingebettet, an dem die Römisch-Germanische Kommission, Frankfurt, das Geographische Institut der Universität Heidelberg, das Deutsche Bergbaumuseum Bochum und das Archäologische Institut der Slowakischen Akademie der Wissenschaften beteiligt. Das Vorhaben wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert.

Literatur

  • Bátora, J., Behrens, A., Gresky, J., Ivanova, M., Rassmann, K., Tóth, P., Winkelmann, K. (2012): The Rise and Decline of the Early Bronze Age Settlement Fidvár near Vráble, Nitra. In: Kneisel, J., Kirleis, W., DalCorso, M., Taylor, N., Tiedtke, V. (Eds.): Collapse or Continuity? Environment and Development of Bronze Age Human Landscapes. Bonn: 111-129.
  • Ivanova, M., Schlütz, F., Benecke, N. (in review): Subterranean silos at Vráble, southwestern Slovakia: a case study of geochemistry and distribution of finds in fill deposits.
  • Nowaczinski, E. (2014): Multi-scale geomorphological and geoarchaeological investigations of a key site - The Early Bronze Age settlement of Fidár (Slovakia). Heidelberg. katalog.ub.uni-heidelberg.de/cgi-bin/titel.cgi
  • Schlütz, F., Bittmann, F. (2015): Archäobotanische und pollenanalytische Untersuchungen zu Subsistenz und Umwelteinfluss der bronzezeitlichen Siedlung Fidvár bei Vráble (Slowakei). Siedlungs- und Küstenforschung im südlichen Nordseegebiet, 38: 271-285.
  • Schlütz, F., Bittmann, F. (2016): Dating Archaeological Cultures by Their Moats? A Case Study from the Early Bronze Age Settlement Fidvár near Vráble, SW Slovakia. In: Radiocarbon 58 (2), S. 331–343. DOI: 10.1017/RDC.2015.17.