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Subsistenzstrategien, Siedlungsstruktur und Kommunikation im Endmesolithikum am Beispiel einer submarinen Mikroregion in der Kieler Bucht

Taucharchäologische Untersuchungen im Umfeld von umgestürzten Eichenstämmen vor der Steilküste von Stohl nördlich von Kiel (Schleswig-Holstein) haben in 6 Metern Wassertiefe in organogene Sedimentschichten eingebettete Funde des älteren Endmesolithikums erbracht. Erste Testgrabungen am Fundplatz Strande LA 163 im Jahr 2012 belegten eine sehr gute Funderhaltung und erbrachten ein umfangreiches Fundinventar, insbesondere organische Funde, zu denen auch menschliche Überreste zählen. Typologische und naturwissenschaftliche Datierungen geben Hinweise darauf, dass der Fundplatz zwischen 5390 und 4750 v. Chr. genutzt wurde. Er datiert demzufolge in den akeramischen Abschnitt der Ertebøllekultur (Jäckelberg/Rosenfelde-Phase), für den bisher an der norddeutschen Ostseeküste nur wenige Nachweise von in-situ erhaltenen Funden existieren. Die Ufersiedlung lag am Rand einer Lagune; dort stellten Jäger, Fischer und Sammler Werkzeuge aus Flint, Knochen, Geweih und Holz her. Vor Ort hatten sie Zugang zu marinen und terrestrischen Nahrungsquellen.

2014 förderte die Deutsche Forschungsgemeinschaft Prospektionsarbeiten an der Fundstelle. Bei der Untersuchung eines ca. 1 ha großen Areals konnte festgestellt werden, dass nicht nur im Bereich der Testgrabung von 2012 fundführende, organische Sedimente erhalten sind, sondern dass diese auch im weiteren Umfeld vorliegen. Darüber hinaus sind durch Meldungen von Tauchern weitere Fundstreuungen sowie freiliegende organische Sedimentpakete und umgestürzte Bäume bekannt geworden. Für weitere Forschungen, die Dr. Julia Goldhammer gemeinsam mit Dr. Sönke Hartz (Archäologisches Landesmuseum Schleswig) und Dr. Steffen Wolters beantragt hat, sind nun DFG-Mittel für ein dreijähriges Projekt bewilligt worden. Nach dem beruflichen Wechsel von Dr. Julia Goldhammer an das Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg  hat ab 2018 Dr. Martin Segschneider, NIhK Wilhelmshaven, das Projekt übernommen. Die praktische Durchführung der unterwasserarchäologischen Arbeiten und die wissenschaftliche Auswertung der Befunde und Funde obliegt seit dem 01.04.2018 dem im Rahmen einer Doktorandenstelle am NIhK beschäftigten  wissenschaftlichen Mitarbeiter Jonas Enzmann M.A.

Literatur

  • J. Goldhammer/S. Hartz, Der ertebøllezeitliche Siedlungsplatz von Strande LA 163, Kr. Rendsburg-Eckernförde, und die Littorina-Transgression – Submarine Prospektionsarbeiten und Sondagen. Siedlungs- und Küstenforschung an der südlichen Nordseeküste 38, 2015, 29-41.
  • J. Goldhammer, Forschungsabenteuer Ostsee – eine Momentaufnahme der Steinzeit, Archäologie in Deutschland 2015, 1, 22-25.
  • A. Glykou/J. Goldhammer/S. Hartz, Versunkene Steinzeit – Taucharchäologische Untersuchungen an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste. In: F. Huber/S. Kleingärtner (Hrsg.), Gestrandet, Versenkt, Versunken - Faszination Unterwasserarchäologie (Neumünster/Hamburg 2014), 76-97.
  • J. Goldhammer/S. Hartz, Versunkene Steinzeit – Endmesolithische Funde aus der Ostsee vor der Steilküste von Stohl. Jahrbuch der Heimatgemeinschaft Eckernförde e.V. 2013, 151-162.
  • J. Goldhammer/S. Hartz, Steinzeitliche Siedlungsreste am Ostseegrund: Ein endmesolithischer Fundplatz in der Kieler Bucht. Archäologische Nachrichten aus Schleswig-Holstein 15, 2012, 26-29.