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Westgermanien im Wandel – Edition und multidisziplinäre Erforschung der nordwestdeutschen Kulturlandschaft während der römischen Kaiserzeit

Die römisch-kaiserzeitliche Besiedlungsgeschichte der im Raum zwischen Rhein, Weser und Nordsee gelegenen Landschaften Nordwestdeutschlands steht im Fokus des o.g. Projektes, das von der Akademien Union zur Förderung angenommen worden und gemeinsam von den Niedersächsische Akademie der Wissenschaften zu Göttingen und der Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste in Düsseldorf getragen wird. 

Dieser Untersuchungsraum wurde gewählt, da er in besonderer Weise geeignet ist, die soziale und wirtschaftliche Entwicklung „germanischer“ Gesellschaften zu untersuchen, die in der ersten Hälfte des 1. Jt. n. Chr. in engem Kontakt mit dem Römischen Reich standen. Das Bild dieser Epoche ist immer noch von der Nachkriegsforschung geprägt und weist eklatante Wissenslücken auf, auch wenn insbesondere seit den 1990er Jahren durch deutlich intensivierte und methodisch erweiterte archäologische Feldarbeiten „hinter dem Limes“ zahllose neue, aber bislang kaum publizierte Befunde und Funde dokumentiert und geborgen worden sind. Die Edition und Erforschung dieser umfangreichen Quellen kann somit als Desiderat der Siedlungsforschung betrachtet werden, dem im Rahmen des „Westgermanien-Projektes“ Rechnung getragen werden soll. Entsprechend steht die Untersuchung der Frage nach der Form und der Intensität der kulturellen Interaktion mit dem grenznahen römischen Imperium im Fokus des Projektes, die in den sich ändernden Strukturen und Systemen der Besiedlung und der Wirtschaft ihren Niederschlag gefunden haben. Zugleich gilt es auch, die Veränderungen der Umwelt- und Lebensbedingungen der im Untersuchungsraum ansässigen Gemeinschaften zu beschreiben und zu erforschen sowie alle hierfür relevanten Informationen für zukünftige Forschungen mit Hilfe des Internets zu editieren. Umfangreiche, bisher nicht ausgewertete Quellen werden multidisziplinär unter Einsatz von Methoden aus der Archäologie, Archäobiologie, Montanarchäologie, Archäometallurgie, Geschichte und Geoinformatik analysiert. Es wird angestrebt, auf diese Weise ein neues Fundament unseres Wissens über die Gesellschaften im westgermanischen Raum zu schaffen, die in räumlicher Nähe zum und im wechselseitigen Austausch mit dem Römischen Reich lebten. 

Das Vorhaben wurde gemeinsam von Lorenz Rahmstorf, Universität Göttingen und Thomas Stöllner, Universität Bochum in enger Kooperation mit Hauke Jöns, NIhK Wilhelmshaven konzipiert. Weitere Projektpartner sind die Lehrstühle für Ur- und Frühgeschichte der Universitäten RostockBerlinBremen und Groningen, der Lehrstuhl für Alte Geschichte der Universität Oldenburg sowie das Deutsche Bergbau-Museum (DBM) in Bochum und das Leibniz-Zentrum für Archäologie, Mainz/Schleswig als außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Darüber gehören auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Landesarchäologie Bremen, der LWL-Archäologie für Westfalen, des Niedersächsische Landesamtes für Denkmalpflege in Oldenburg und der Ostfriesischen Landschaft, Aurich zum Projektteam.

Am NIhK ist die Edition und Analyse der umfangreichen Keramikfunde angesiedelt. Diese Aufgabe haben Katrin Struckmeyer und Ivonne Baier übernommen. Außerdem werden vom NIhK aus die archäobiologischen Untersuchungen aus koordiniert. Mit den botanischen Untersuchungen wurde Jonathan Baines betraut, die archäozoologischen 

Analysen erfolgen in Kooperation mit dem LEIZA. Außerdem ist das NIhK durch Moritz Mennenga an der Entwicklung der Projektdatenbank beteiligt.