Was alte Scherben erzählen – Funde von der Burgstelle in Tenghausen/ Wangerland

Im Rahmen des Projektes Manifestation der Macht – Burgenbau als Indiz gesellschaftlicher Transformationsprozesse im niedersächsischen Küstenraum wurden Burgen auf der Ostfriesischen Halbinsel untersucht. Dabei zeigte sich, dass die ehemalige Häuptlingsburg von Tengshausen im Wangerland zu den wenigen ungestörten Befestigungen dieser Art gehört. Deshalb führte das NIhK im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts dort eine Ausgrabung durch. Bei den Untersuchungen, die unter Mitwirkung der Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste (ijgd) und Studierenden der Universitäten Tübingen und Heidelberg stattfanden, konnten zahlreiche Funde aus Keramik, Glas und Metall geborgen werden. Im Zuge der nun laufenden Auswertung werden die rund 660 Keramikscherben näher betrachtet, um Auskünfte über ihr Alter, ihre Funktion und den Ort ihrer Herstellung zu erhalten. Vornehmlich handelt es sich bei den Scherben um Fragmente von Trink-, Koch- und Schankgefäßen aus dem Zeitraum vom 13. bis zum 19. Jahrhundert, die teilweise vollständig aus einzelnen Scherben wieder zusammengesetzt werden konnten.

Bei den Untersuchungen zeigte sich, dass nur wenige der im Zuge der Ausgrabung aufgefundenen Gefäße im friesischen Küstenbereich hergestellt worden sind; die meisten Objekte wurden aus dem Rheinland oder aus den Niederlanden importiert. Zu den interessantesten Funden gehört die Scherbe eines Kruges, der in einer Töpferei von Köln oder Frechen produziert worden ist. Dieses Steingutgefäß trägt einen Dekor bestehend aus einer nicht näher lesbaren Inschrift, einem Akanthusblatt und einer runden Applikationen mit der Darstellung eines Mannes. Diese Person trägt Kleidung wie sie in der Renaissance Mode war. Es kann deshalb als gesichert gelten, dass das Gefäß in der Mitte des 16. Jahrhunderts hergestellt worden ist.

Zahlreiche Fragmente von Tellern wurden mit geometrischen und floralen Mustern bemalt. Die Linien dieser Verzierungen bestehen aus Tonschlicker, der mit einem Malhorn aufgetragen wurde.