Die Borgsumburg auf der nordfriesischen Insel Föhr

Die Föhrer Borgsumburg, auch Lembecksburg genannt, liegt auf einer Geestkuppe etwa 1 km nördlich des Dorfes Borgsum und ist von Marschland umgeben. Durch das vorausgehende DFG-geförderte Projekt "Gewerbewurten und Geestrandhäfen – mittelalterliche Handelshäfen an der deutschen Nordseeküste“ ist die frühmittelalterliche Siedlungslandschaft mit ihren ökonomischen, gesellschaftspolitischen und strategischen Verhältnissen um die Burg herum gut erforscht. Die aktuellen Ergebnisse liegen mit der Dissertation von Dr. Bente Sven Majchczack vor

Hingegen fanden innerhalb der Burg bislang nur wenige kleinere Untersuchungen statt, die lang zurückliegen (1951/1952). Hierbei ließen sich Teile mehrerer guterhaltener Gebäude mit Sodenwänden nachweisen. In den Siedlungsschichten traten zahlreiche frühmittelalterliche Funde auf, anhand derer die Burganlage allgemein in das Frühmittelalter (8.-11. Jahrhundert n. Chr.) datiert wurde.

Außerdem gelang es, eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Dr. Harald Stümpel vom Institut für Geowissenschaften der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel für die Untersuchung der Burg zu gewinnen. Die 2001 und 2003 durchgeführten Geomagnetik- und Bodenradar-Messungen lieferten exzellente Ergebnisse. Das Bodenradar machte die Sodenwände zahlreicher, eng beieinander Hausreste sichtbar; die Geomagnetik erbrachte die Lage der zugehörigen Herdstellen.

Es ist daher wünschenswert und sinnvoll, die Borgsumburg nach aktuellen Fragestellungen durch Ausgrabungen weiter zu erforschen und mit dem Umland zu verbinden. Diese Untersuchungen haben im Rahmen eines durch eine private Stiftung geförderten Projektes nun im Juni 2021 begonnen und sollen bis 2025 andauern. Als Grabungsleiterin fungiert Dr. Kirsten Hüser, die Projektleitung liegt bei Dr. Martin Segschneider.

Zunächst ist die möglichst exakte Datierung der Burg zu erschließen. Als time-line soll die gesamte Nutzungszeit der Burg erfasst und beschrieben werden, mit Gründung bzw. Erbauungsphase, späteren Ausbauphasen und schließlich endgültiger Aufgabe der Burg. Hierzu sind auf Grundlage der geophysikalischen Vermessungen und Bohrungen genau platzierte, punktuelle Ausgrabungen nötig, welche die gesamte Schichtung erfassen und auch kleine Funde wie Glasperlen etc. berücksichtigen. Neben der Datierung der geborgenen Ausgrabungsfunde wie Münzen, Keramik und Metallschmuck sollen Datierungsmethoden wie die Altersbestimmung durch Jahrringvermessung an Hölzern (Dendrochronologie) und die C14-AMS-Radiokarbonmethode genutzt werden.

Auch zur Klärung dieser wichtigen Frage nach dem Warum der Burg sind weitere Ausgrabungen erforderlich. So kann die Intensität und Kontinuität der Besiedlung entlang der time-line festgestellt werden.  Außerdem ist zu prüfen, ob sich das Fundmaterial in der Burg von den benachbarten Siedlungen stark unterscheidet und fremdartig ist, was für die Anwesenheit einer auswärtigen Besatzung sprechen würde. Gibt es Waffenfunde und andere Hinweise auf eine militärische Nutzung? Wichtig ist außerdem die Zuordnung der Baustrukturen: Um welche Haustypen handelt es sich, wo gibt es vergleichbare Häuser? Sind es speziell an die Erfordernisse einer Burg angepasste Bauten, und ist die durch das Bodenradar zu vermutende, systematische Anordnung gleichförmiger Häuser Realität? Welche Veränderungen sind über die mindestens drei Bauphasen nachzuverfolgen?

Des Weiteren ist die Frage nach der Ernährung und nach dem Gesundheitszustand der Burgbewohner zu beantworten. Zoologische Bestimmungen der aufgefundenen Tierknochen können zeigen, welche Haustiere man verzehrte, aber auch welche Wildtiere (Seevögel) gejagt wurden, und welchen Anteil Fisch und Muscheln an der Ernährung hatten. Botanische Untersuchungen von verkohlten Getreideresten geben Aufschluss über die pflanzliche Ernährung. Und schließlich ist zu klären, ob es zwischen den Nutzungsphasen auch immer wieder Phasen gab, in denen die Burg wüst fiel, und wie die maritime Anbindung der Burg war.

Somit sind von dem gerade begonnenen Projekt spannende neuer Einblicke in die Geschichte einer hervorragend erhaltenen nordfriesischen Burganlage zu erwarten!

 

Literatur:

La Baume, P., 1961: Was wissen wir über die Lembecksburg? Museumsverein Insel Föhr e. V., 16 S.

Majchczack, B., Schneider, S., Wunderlich, T., Wilken, D., Rabbel, W., & Segschneider, M., 2018: Early Medival trading sites on the North Frisian Island of Föhr. In: v. Carnap-Bornheim, C., Daim, F., Ettel, P., Warnke, U., (eds.) Harbours as objects of interdisciplinary research. Archaeology + History + Geosciences, RGZM-Tagungen 34, 311–328.

Segschneider, M. (Hrsg.), 2009: Ringwälle und verwandte Strukturen des ersten Jahrtausends n. Chr. an Nord- und Ostsee. Internationales Symposium Utersum/Föhr 2005. Neumünster.

Stümpel, H., u. Erkul, E., 2009: Geophysikalische Prospektion der Borgsumburg. In: M. Segschneider 2009, 113-121.