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Das Mesolithikum in Nordwestdeutschland. Ein archäologischer Survey nach Fundplätzen mit Feuchtbodenerhaltung

Bis zum Beginn der Sesshaftigkeit um 4000 v. Chr. lebten die Menschen in Nordeuropa als Jäger und Sammler. Die letzte Phase dieser wildbeuterischen Lebensweise war geprägt von der nacheiszeitlichen Klimaerwärmung und den damit einhergehenden starken Veränderungen von Landschaft und Umwelt. Die Menschen passten sich daran an. Sie entwickelten unterschiedliche Strategien in allen Lebensbereichen, um der Wiederbewaldung, einer veränderten Tierwelt und dem steigenden Meeresspiegel zu begegnen. Diese Phase zwischen Eiszeit und Sesshaftigkeit wird Mittelsteinzeit oder Mesolithikum genannt.

Aus einigen Bereichen Nordeuropas sind bereits zahlreiche Details aus Lebenswelt der mittelsteinzeitlichen Menschen bekannt. Gut erhaltene archäologische Fundstellen geben z.B. im südlichen Skandinavien Einblick in eine vielfältige Sachkultur der letzten Jäger und Sammler ihre Jagd- und Fischereitechniken, die Nutzung von Pflanzen und Hölzern und die handwerklichen Fähigkeiten der Steinzeitmenschen. In Nordwestdeutschland ist die Anwesenheit von Jäger- und Sammlergruppen ebenfalls nachgewiesen. Bisher sind jedoch fast ausschließlich Fundplätze bekannt, die nur ein kleines Spektrum menschlicher Hinterlassenschaften erbracht haben. Meist haben sich vor allem Steinwerkzeuge in den sandigen Böden erhalten.

Das Projekt „Das Mesolithikum in Nordwestdeutschland“ zielt nun darauf ab, Fundstellen im Bereich feuchter Böden – vor allem im Bereich von Mooren, an Moorrändern und im Übergangsbereich zwischen Geest und Marsch zu finden. Dort ist mit einer guten Erhaltung von Werkzeugen und Geräten aus Knochen, Geweih und pflanzlichen Materialien zu rechnen ebenso mit Resten tierischer und pflanzlicher Nahrung und Siedlungsspuren wie z.B. Feuerstellen und Vorratsgruben.In ausgewählten, kleinen Regionen werden Fundstellen mit besonderem Potential erfasst, die in unmittelbarer Nähe zu Moorrändern, kleinen Kesselmooren oder auch an Torfvorkommen unter dem Marschboden liegen. In mehreren Geländekampagnen wird nun untersucht, ob sich die Fundschichten über den bekannten Bereich hinaus bis in die Moore und Torfe erstrecken und ob sich dort Hinterlassenschaften der letzten Jäger und Sammler aus organischen Materialien erhalten haben.

Die Plätze, an denen sich die guten Erhaltungsbedingungen bestätigen, werden dann in einem zweiten Schritt anhand von kleinen Grabungsschnitten näher untersucht und anhand von 14C-Daten zeitlich eingeordnet. Auch die Umgebung dieser Plätze wird dann noch einmal genauer untersucht, um die Landschaft und den Bewuchs für den Nutzungszeitraum zu rekonstruieren und so ein möglichst genaues Bild vom Leben mesolithischen Jäger und Sammler im Nordwesten Deutschlands zu erhalten.

Auf diese Weise wird es auf längere Sicht möglich sein, das Mesolithkum in Nordwestdeutschland mit den Nachbarregionen zu vergleichen und herauszufinden, ob hier unterschiedliche kulturelle Entwicklungen und verschiedene Anpassungsstrategien an die jeweilige Umwelt zu erfassen sind.

Das Projekt „Das Mesolithikum in Nordwestdeutschland“ wird von der DFG gefördert und von Dr. Svea Mahlstedt durchgeführt und geleitet. Die Untersuchungen zur Landschafts- und Bewuchsrekonstruktion werden von Dr. Martina Karle und Dr. Steffen Wolters unterstützt.

Literatur

  • Hüser, A., Wolters, S., Larocque-Tobler, I., Mahlstedt, S. & Enters, D., 2017: Von Sedimenten, Zuckmücken, Pollen und kleinen Steinen. Suchen und Finden des Mesolithikums an Pingo-Ruinen. Archäologie in Niedersachsen, 20, 92-96.
  • Mahlstedt, S., 2015: Das Mesolithikum im westlichen Niedersachsen. Untersuchungen zur materiellen Kultur und zur Landschaftsnutzung. Frühe Monumentalität im soziale Differenzierung 7. Bonn.
  • Mahlstedt, S., Hüser, A. & Kegler, J.F., 2018: Mesolithic Settlement sites on the East Frisian Peninsula. Landscape history and development with regard to pingo scars as preferred settlement sites. Quartaer 65, 115-127.