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Forschungsgruppe FOR 5837 | TORF - Von Aufstieg und Untergang – Integrative Forschung zur Kulturlandschaftsentwicklung in der nordfriesischen Wattenmeerregion während der letzten zwei Jahrtausende

Die Forschungsgruppe zielt auf die systematische multidisziplinäre Untersuchung und räumlich-zeitliche Rekonstruktion der mittelalterlichen Küstenlandschaft Nordfrieslands (Schleswig-Holstein, Deutschland) ab, die 1362 n. Chr. bei einer schweren Sturmflut versank. Zahlreiche Relikte des einst bewirtschafteten Kulturlandes liegen noch heute verborgen in den Wattflächen, die Teil des UNESCO-Weltkulturerbes „Wattenmeer“ sind. Da weite Teile der 1362 n. Chr. überfluteten Landschaft Teil des heutigen Wattenmeers wurden, sind die erhaltenen Spuren und Überreste der Besiedlung und Bewirtschaftung eine Art Zeitkapsel für die mittelalterliche Kulturlandschaft. Die großflächig erhaltenen archäologischen Strukturen, als Teil des kulturellen Erbes, sind von enormem Wert für die Rekonstruktion der Landschaftsgeschichte nicht nur Nordfrieslands, sondern der gesamten Wattenmeerregion. 

Die wichtigsten übergeordneten Ziele des Projektes sind 

  1. die Erfassung, Rekonstruktion und Erforschung der vielfältigen Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt, 
  2. das Verständnis für den Erfolg und das Scheitern menschlicher Bemühungen, Ressourcen zu sichern, Siedlungsaktivitäten auszuweiten und den Landverlust durch Extremereignisse zu bekämpfen, 
  3. ein besseres Verständnis des kulturellen Erbes der Region zu erreichen und die Öffentlichkeit für Naturrisken im Küstenraum zu sensibilisieren.

In dem Projekt arbeiten in insgesamt 7 Teilprojekten („sub-projects“; SP) sowie der Koordination, Forschende aus Archäologie (SP1), Geophysik (SP2), Physischer Geographie (SP3), Geologie (SP4), Geschichte (SP5), Mikrobiologie (SP6) und Informatik (SP7) in einem interdisziplinären Team eng zusammen. Beteiligt sind das Geographische Institut der Universität Mainz, das Leibniz-Zentrum für Archäologie (LEIZA) mit den Standorten in Mainz, und Schleswig, das Archäologische Landesamt Schleswig-Holstein (ALSH), das Historische Seminar, das Institut für Klinische Molekularbiologie, das Institut für Geowissenschaften und das Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Kiel, das NIhK sowie weitere Kooperationspartner. 

Die Forschungsgruppe baut dabei auf den intensiven gemeinsamen Arbeiten auf, die in den vergangenen zehn Jahren im nordfriesischen Wattenmeer stattfanden. Diese führten unter anderem zur Entdeckung einer großen Kirche – wahrscheinlich der des mittelalterlichen Handelsplatzes Rungholt – etwa sieben Kilometer vor der Küste der Halbinsel Nordstrand.

Die Geologie mit SP4-Meeresspiegel ist am NIhK angesiedelt. Es werden lokale und regionale Veränderungen des Meeresspiegels mit Fokus auf das Mittelalter rekonstruiert, die ein besseres Verständnis der Zusammenhänge von menschlicher Besiedlung und Eingriffen in den Küstenraum ermöglichen. Die geschieht unter Entwicklung von Mikrofauna-basierten Transferfunktionen, die auf holozäne Sedimentarchive angewendet werden. Dafür wurde Frau Dr. Juliane Scheder eingestellt, die sich auf diesem Gebiet bereits in anderen Projekten des NIhK spezialisieren konnte. Das Teilprojekt wird am NIhK von Frau Dr. Friederike Bungenstock geleitet.

Die von der DFG geförderte Forschungsgruppe FOR 5837 |TORF - Times of Rise and Failure ist im April 2026 gestartet.