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CoastAdapt: Nachhaltiger Küstenschutz für Niedersachsen

Die Auswirkungen des Klimawandels erfordern ständige Anpassungsmaßnahmen an den Küsten. Um neue Lösungen zu entwickeln, werden unterschiedliche Sichtweisen, Erfahrungen sowie die Zusammenarbeit unterschiedlicher Disziplinen benötigt. Der interdisziplinäre Wissenschaftsraum „CoastAdapt“ bringt daher Expert*innen aus dem Küsteningenieurwesen und der Küstenforschung zusammen, um ein international sichtbares Küstenkompetenzzentrum zu schaffen und neue Erkenntnisse zu nachhaltigem und vorausschauendem Küstenschutz zu erlangen. Dies geschieht unter der Leitung der Technischen Universität Braunschweig und in Kooperation mit der Leibniz Universität Hannover, der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, dem Niedersächsische Institut für historische Küstenforschung, dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz und der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer. Gefördert wird das Projekt von der Volkswagenstiftung und dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK)

Das NIhK bringt seine Expertise unter dem Leitgedanken „Lernen aus der Vergangenheit und Erkenntnisse für die Zukunft gewinnen“ ein. In Zeiten vor dem Deichbau hatte unsere Nordseeküste ein grundlegend anderes Erscheinungsbild. Es befanden sich breite Übergangszonen zwischen offenem Wattenmeer und Festland, die eine zentrale Rolle für die Anpassungsfähigkeit des Küstengebiets an einen steigenden Meeresspiegel spielten und als Pufferzone bei Sturmfluten dienten. Dies soll nun eingehend erforscht werden, um das Wissen über natürliche Anpassungsmechanismen der Küstenlandschaft aus der Zeit vor dem Deichbau in mögliche Küstenschutzstrategien eines adaptiven und naturbasierten Küstenschutzes einfließen zu lassen.

Dazu wird eine umfassende Analyse von Archivdaten und Erfahrungswissen durchgeführt, die mit aktuellen und direkt im Feld erhobenen Daten kombiniert ausgewertet wird. Der Fokus liegt dabei auf sedimentären Ablagerung innerhalb von Torfhorizonten. Diese können als Sturmflutablagerungen interpretiert werden und geben Aufschluss darüber, welchen Einfluss Sturmfluten auf die unbedeichte Küste hatten. Wie weit und wie stark ist das Wasser ins Inland vorgedrungen? Haben Sturmfluten die Küstenerosion im Zuge des Meeresspiegelanstiegs beschleunigt? Gab es Bereiche, die besonders erosionsgefährdet waren und wenn ja, welche geologischen Bedingungen spielten dabei eine Rolle?   Das heißt, wie war die räumliche Verteilung verschiedener Küstenzonen und wie hat diese sich im Laufe der Zeit verändert? Waren beispielsweise küstennahe Moore vorhanden, die an die Wattflächen angrenzten und direkt von Sturmfluten angegriffen und abgetragen wurden? Oder waren breite Salzwiesengürtel häufig, die durch ihren Bewuchs und ihre leicht erhöhte Lage einen natürlichen Schutz boten? All diesen Fragen wird sich das Projektteam nun widmen, damit die Erkenntnisse in nachhaltige Küstenschutzstrategien integriert werden können. 

Der Projektteil am NIhK wird von Dr. Friederike Bungenstock und Dr. Martina Karle geleitet. Dr. Ines Bruns ist als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt tätig.