Sie befinden sich hier

Inhalt

Frühgeschichtliche Textilien aus der Marsch. Untersuchungen zur Produktion und Distribution am Beispiel der Feddersen Wierde, Ldkr. Cuxhaven.

Detailfoto eines seltenen Gewebes in Panamabindung aus dem 1. Jh. n. Chr. von der Feddersen Wierde. Foto: K. Struckmeyer, NIhK.

Die Wollgewinnung und die Gewebeherstellung gehörten seit Beginn des 1. Jahrtausends nach Chr. zu den wichtigsten Produktionszweigen der Bevölkerung in der Küstenmarsch. Dies bezeugen die in den Siedlungen häufig auftretenden Spinn- und Webgeräte sowie die zahlreichen gut erhaltenen Textilfunde.
Trotz des großen Quellenbestandes wurden bis dato keine umfassenden interdisziplinären Analysen an Wollvliesen und Wollgeweben aus niedersächsischen Fundplätzen durchgeführt. Auch eine genaue Betrachtung der Produktions- und Distributionsstrukturen textiler Waren bildet derzeit noch ein Desiderat der Forschung, obwohl die zu erwartenden Ergebnisse auch von zentraler Bedeutung für das Verständnis der Organisation des Warentausches der gesamten Küstenzone sind.
Hinsichtlich dieses Fragenkomplexes nimmt die zwischen 1954-1963 großflächig erforschte Wurt Feddersen Wierde (Ldkr. Cuxhaven) eine Schlüsselstellung ein. Bei den Ausgrabungen wurde auch ein umfangreiches organisches Fundmaterial geborgen. Die detaillierten Untersuchungen an Gerätschaften zur Textilproduktion, Vliesen und Geweben versprechen eine Rekonstruktion des gesamten Herstellungsprozesses, angefangen bei der Schafzucht und -pflege, über die Aufbereitung des Vlieses bis hin zur Verarbeitung der Wolle.
Ziel des vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur geförderten Forschungsvorhabens ist eine umfassende Analyse und Typologisierung der Textilien durch Dr. Annette Siegmüller und Christina Peek M.A.. Im Rahmen einer Masterarbeit an der Universität Kiel erfolgt ferner eine Aufarbeitung aller Spinn- und Webgeräte mit Hilfe einer GIS-basierten Datenbank durch Franziska Steffensen. Dabei wird der Fundkomplex nach Zeitscheiben gegliedert und  erstmals ein interdisziplinärer Methodenkanon zum Einsatz kommen, der auch aDNA-Analysen, Faserqualitätsanalysen und Farbstoffanalysen umfasst.

    

 

 

 

Freigelegte Hausgrundrisse während der Grabung auf der Feddersen Wierde, Ldkr. Cuxhaven. Foto: NIhK

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Grabung auf der Feddersen Wierde, Ldkr. Cuxhaven im Luftbild. Foto: Zimmermann, NIhK.

 

 

 

 

  

 

 

 

Situationsfoto von der Ausgrabung auf der Feddersen Wierde 1956. Foto: NIhK.

 

 

Literatur

Haarnagel, W., 1979: Die Grabung Feddersen Wierde. Methode, Hausbau, Siedlungs- und Wirtschaftsformen sowie Sozialstruktur. Feddersen Wierde. Die Ergebnisse der Ausgrabung der vorgeschichtlichen Wurt Feddersen Wierde bei Bremerhaven in den Jahren 1955-1963. Band II, Wiesbaden 1979.

Hayen, H., Ullemeyer, R., Tidow, K., Ruttner, F., u. Institut für Härterei-Technik, 1981: Einzeluntersuchungen zur Feddersen Wierde. Wagen, Textil- und Lederfunde, Bienenkorb, Schlackenanalysen. Feddersen Wierde. Die Ergebnisse der Ausgrabung der vorgeschichtlichen Wurt Feddersen Wierde bei Bremerhaven in den Jahren 1955-1963. Band III, Wiesbaden 1981.

Peek, C., u. Siegmüller, A., 2007: Kostbarkeiten aus dem Norden? Neue Überlegungen zur Identifizierung Friesischer Tuche. Archäologisches Korres¬pondenzblatt Heft 2/ 2007, 283-296.

Siegmüller, A., 2013: Schafhaltung und Schafwäsche – Überlegungen zur Produktion und Funktion von Geweben im frühen Mittelalter. In: J. Banck-Burgess u. C. Nübold (Hrsg.), The North European Symposium for Archaeological Textiles XI, Rhaden/ Westf. 2013, 241-246.

Tidow, K., U. Rast-Eicher, A., 2001a: Ein Mischgewebe aus der Feddersen-Wierde, Ldkr. Cuxhaven. Probleme der Küstenforschung im südlichen Nordseegebiet 27, 2001, 53-56.

    Feddersen - Wierde TextilfundeFeddersen-Wierde textiles research