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Römisch-kaiserzeitliche Bootslandeplätze im Bereich der Allermündung

Die rezenten und ehemaligen Flussläufe im Aller-Weser-Urstromtal sind Teil einer hochdynamischen Landschaft. Die Datierung und Zuordnung einzelner Altarme zu Aller bzw. Weser sind Grundlage für die Rekonstruktion der Landschaft zu Zeiten der Besiedlung (Grafik: A. Siegmüller, NIhK).

Interdisziplinäre Forschungen haben im vergangenen Jahrzehnt belegen können, dass die Kommunikations- und Austauschstrukturen der Römischen Kaiserzeit im nordwestdeutschen Küstengebiet sehr viel komplexer entwickelt waren, als dies lange Zeit angenommen worden ist. Wurden traditionell vor allem jene in unmittelbarer Küstennähe gelegene Siedlungsplätze als Zentren des überregionalen Warenaustauschs angesehen, deren Fundgut durch zahlreiche Gegenstände römischer Provenienz geprägt waren, so hat sich die Forschung in den vergangenen Jahren auf die Uferzonen der Gewässersysteme von von Ems und Weser konzentriert. Ausgangspunkt für diese Forschungen sind in großer Zahl in den Fluss- und Küstenmarschen mit Hilfe von Metalldetektoren geborgene Fundobjekte, die in Verbindung mit geologischen und pedologischen Daten sowie Informationen aus historischen Karten ausgewertet werden, um Informationen über ehemalige Bootsanlandestellen, Umschlagplätze und ufernahe Märkte sowie deren gesellschaftliche Bedeutung zu gewinnen.

Darauf aufbauend will das verkürzt als „Landeplätze-Aller-Projekt“ bezeichnete und vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) im Rahmen des Förderprogramms Pro*Niedersachen geförderte Vorhaben, die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturen rekonstruieren, die während der 1. Hälfte des 1. Jt. n. Chr. am Zusammenfluss von Aller und Weser im Raum Verden vorherrschten. Als im Rahmen des Projekts beschäftigte Mitarbeiterin, beabsichtigt  Imke Brandt M.A. mit bodenkundlich-landschaftsarchäologischen Methoden eine Rekonstruktion der Landschaft beiderseits des Flusses während der 1. Hälfte des 1. Jt. n. Chr. vorzunehmen, und parallel dazu das während der Sondagen geborgene Fundmaterial der dort gelegenen ufernahen Fundplätze systematisch auszuwerten. Die während der Metalldetektorprospektionen geborgenen Funde werden derzeit von Iris Aufderhaar M.A. hinsichtlich ihrer Funktion, Datierung und Herstellung untersucht. Weitere Informationen finden Sie hier


Metallfunde aus Holtorf-Lunsen, Fpl. 1, Ldkr. Verden. Fibeln der römischen Kaiserzeit, der Völkerwanderungszeit und des frühen Mittelalters belegen die Funktion der Aller als jahrhundertelang genutzter Transportweg (Foto: R. Kiepe, NIhK).

 

Literatur

Siegmüller, A.; Precht, J.; Jöns, H. 2015: Römisch-kaiserzeitliche Bootslandplätze im Bereich der Allermündung. Siedlungs- und Küstenforschung im südlichen Nordseegebiet 38.

 

 

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