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Pollenanalytische und geochemische Untersuchungen an submarinen Torfen zur Rekonstruktion des frühholozänen Meeresspiegelanstiegs in der Nordsee

Bohrung in der Nordsee mit dem Forschungsschiff "Gauss" (Foto: S. Wolters, NihK)

Die Erforschung des holozänen Meeresspiegelanstiegs in der südlichen Nordsee sind Grundanliegen des NIhK seit den Tagen seiner Gründung Ende der 1930er Jahre. Die Auswertung der im 20. Jh. gesammelten Ergebnisse fasste Behre 2003 in einer Meeresspiegelkurve für die südliche Nordsee zusammen. Trotz einer hervorragenden Datengrundlage für die letzten 3000 und einer immer noch hinreichend guten für die letzten 6000 Jahre, gibt es nur wenige Untersuchungen, deren Sedimente den Meeresspiegelanstieg im frühen Holozän erfassten. Durch Zusammenarbeit mit dem BSH, Hamburg, und der BGR, Hannover, standen dem NIhK Torfe aus mehreren Nordsee-Bohrkernen zur Verfügung, die diese Lücke füllen sollten. Die Ergebnisse der von Dr. Steffen Wolters (NIhK) durchgeführten Untersuchung des Bohrkerns VC 2068 (54°06,0 N; 06°46,7 E; 33 m Wassertiefe), der im Zuge von Baugrunduntersuchungen vom BSH erbohrt wurde, werden hier kurz vorgestellt. Die im Bohrkern enthaltenen 70 cm Torf sind die vermutlich mächtigsten submarinen holozänen Torfe, die bisher in der Nordsee erbohrt wurden.

Die Bildung des Torfes während des Boreals leitet sich klar von hohen Pinus-Werten und ansteigenden Corylus- und Quercus-Kurven ab. Da Alnus noch sehr gering ist, endete das Torfwachstum noch vor dem Beginn des Atlantikums. Drei 14C-Daten bestätigen die pollenanalytisch ermittelte Zeitstellung.

Aus einwanderungsgeschichtlicher Sicht sind das Fehlen von Tilia und der späte Anstieg von Corylus bedeutsam. Vergleiche mit anderen Untersuchungen sind allerdings kaum möglich, da es aus dem ostfriesischen Küstenraum keine Pollendiagramme gibt, die das frühe Holozän in befriedigender Auflösung zeigen. Den einzigen Vergleichspunkt stellt die Untersuchung borealer Torfe aus einem Bohrkern vom Austerngrund etwa 85 sm wsw dar (Behre 1984). Daher sind Fragen des Zeitpunktes von Einwanderung und Massenausbreitung einiger einheimischer Laubgehölze im Gebiet der heutigen Nordsee im Detail noch weitgehend unklar.

Das Torfwachstum setzt im frühen Boreal mit einer Versumpfungstorfbildung durch Grundwasser­anstieg auf pleistozänem Sand ein. Basenreiches Grundwasser fördert die Ausbildung einer eutraphenten Bruchwald-Vegetation, die bei Fehlen von Alnus nur in die Bildung von Weidenbruchwäldern führen konnte. Dies ist durch die hohen Salix-Werte und häufige Nachweise von Salix-Holzresten belegt.

Etwa 9.300 cal. B.P. bricht die Torfsedimentation ab. Insgesamt standen damit der Moorbildung etwa 1100 bis 1600 Jahre von der Initiation durch transgressionsbedingten Grundwasseranstieg bis zur Überflutung des Moores durch das Meer zur Verfügung. Im Pollendiagramm tritt am stratigraphischen Torf/Klei-Kontakt nun Pollen von Poaceae und Chenopodiaceae stärker hervor. Sie repräsentieren die Salzwiesenvegetation, also Quellerfluren und/oder die höher liegenden Andelrasen, die sich im Bereich des Mitteltidehochwassers befinden.

  

 

 

Pollendiagramm Nordseekern VC 2068 (Graphik: S. Wolters, NihK)

 


Literatur:

Behre, K.-E., 2003: Eine neue Meeresspiegelkurve für die südliche Nordsee. Transgressionen und Regressionen in den letzten 10.000 Jahren. Probleme der Küstenforschung im südlichen Nordseegebiet, 28 9-63.

Behre, K.-E., Dörjes, J., Irion, G., 1984: Ein datierter Sedimentkern aus dem Holozän der südlichen Nordsee . Probleme der Küstenforschung im südlichen Nordseegebiet, 15, 135-148.

Wolters, S., 2006: Pollenanalytische und geochemische Untersuchungen an submarinen Torfen zur Rekonstruktion des frühholozänen Meeresspiegelanstiegs in der Nordsee. In: 15. Jahrestreffen des Arbeitskreises Vegetationsgeschichte der Reinhold-Tüxen-Gesellschaft, Karlsruhe, 20-23 Oktober 2006, Kurzfassungen der Vorträge und Poster, S. 24-25.

Wolters, S., 2009: Torf vom Meeresgrund – Schlüssel zur Naturgeschichte der Nordsee. Archäologie in Deutschland, 6/2009: 22-25.

Wolters, S., 2009: Neue Daten zur Vegetationsgeschichte der südlichen Nordsee. Pollenanalytische Untersuchungen an in-situ Torflagern und Torfgeröllen. Nachrichten des Marschenrates zur Förderung der Forschung im Küstengebiet der Nordsee, 45/2008: 53-57.

Wolters, S., Zeiler, M., Bungenstock, F. (2010): Early Holocene environmental history of sunken landscapes: pollen, plant macrofossil and geochemical analyses from the Borkum Riffgrund, southern North Sea. International Journal of Earth Sciences, 99(8):1707-1719.

 

 

    Submarine TorfeBlack/White Peat Contact