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Lederfunde der Vorrömischen Eisenzeit und Römischen Kaiserzeit in Nordwestdeutschland

Schuh der Moorleiche von Marx-Etzel (nach: H. Hahne, Moorleichenfunde aus Niedersachsen. Vorzeitfunde aus Niedersachsen Teil B (frühere Bezeichnung: Band VI) (Hildesheim 1915).).

Aus den Mooren und Kleiböden Niedersachsens und Schleswig-Holsteins ist eine beträchtliche Anzahl von Lederfunden der Eisenzeit und der Römischen Kaiserzeit bekannt, die meist bei Torfgewinnungs­arbeiten, manchmal aber auch bei systematischen Ausgrabungen geborgen werden konnten. Die Auswertung dieses in der Forschung meist wenig beachteten Materials stand im Mittelpunkt eines durch das Ministerium für Wissenschaft und Kultur des Landes Niedersachsen (MWK) von 2007 bis 2010 geförderten Projektes, dass in Zusammenarbeit mit der Graduiertenschule „Human Development in Landscapes“ der Universität Kiel durchgeführt wurde.

Bei dem untersuchten Material handelt sich vor allem um Bestandteile der menschlichen Kleidung und Ausrüstung wie zum Beispiel Schuhe, Fellumhänge, Gürtel und Riemen sowie Pferdegeschirr, Beutel und Behältnisse. Zum Teil gehören diese Stücke zur Ausstattung von Moorleichen, einige wurden jedoch auch im Bereich von Moorwegen, in Siedlungen, Gräbern oder einzeln gefunden.

Im Rahmen des Projektes wurden die Funktion der einzelnen Stücke bestimmt, sowie eine zeitliche Einordnung – soweit möglich mit Hilfe der 14C-Methode – vorgenommen. Darüber hinaus wurden die Tierart und die Gerbart analysiert, um im Vergleich mit den Tierknochen zeitgleicher Siedlungen Fragen zur Landschaftsnutzung sowie Verfügbarkeit und Nutzung tierischer Ressourcen zu beant­worten. Weiterhin wurden die Zuschnitte und Nähtechniken untersucht, um Informationen über eine mögliche Standardisierung und Professionalisierung des lederverarbeitenden Handwerks zu gewinnen. Dabei stand die Frage im Mittelpunkt, ob Gerberei und Lederverarbeitung als Handwerk oder Hauswerk ausgeführt wurden und ob es innerhalb der Siedlungen spezialisierte Werkbereiche oder Werkstätten gab.

Es war ein weiteres Ziel des Projektes, den Stand der Gerberei und des lederverarbeitenden Handwerks im Untersuchungsgebiet mit dem in den benachbarten Gebieten zu vergleichen, vor allem um zu klären, woher technische und stilistische Einflüsse und Innovationen kamen und welcher Art diese Einflussnahme war.

Mit den Arbeiten im Projekt war Dr. Julia Gräf betraut; sie hat die Ergebnisse ihrer Untersuchungen an der Universität Kiel als Dissertation vorgelegt und 2014 erfolgreich verteidigt; 2015 wurde die Dissertation monographisch veröffentlicht.

  

 

Das Foto zeigt die Moorleiche von Windeby (1. Jh. n. Chr.) mit den Resten eines Fellumhangs im Kopfbereich (Foto: ALM Schleswig-Holstein)

 

 

Literatur

Ullemeyer, R. u. Tidow, K., 1981: Textil- und Lederfunde der Grabung Feddersen Wierde. In: W. Haarnagel (Hrsg.), Feddersen Wierde. Die Ergebnisse der Ausgrabungen der vorgeschichtlichen Wurt Feddersen Wierde bei Bremerhaven in den Jahren 1955 bis 1963, Band 3, 77-152. Hildesheim.

Gräf, J., 2015: Lederfunde der Vorrömischen Eisenzeit und Römischen Kaiserzeit aus Nordwest­deutsch­land. Studien zur Landschafts- und Siedlungsgeschichte im südlichen Nordseegebiet 7. Rahden/Westf.

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