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Elsfleth – Fundanalyse

Silberner Dorn einer Schilddornschnalle mit Maskenzier des 6. Jh. aus Elsfleth (Foto: R. Kiepe, NIhK).

Der Fundplatz bei Elsfleth ist bereits seit dem späten 19. Jahrhundert bekannt; er liegt in der Marsch am Zusammenfluss von Weser und Hunte, also in einer verkehrsgeographisch sehr günstigen Lage mit Wasserverbindungen zur Nordsee bzw. weit ins Binnenland. Seit dem Ende der 1990er Jahre wird er regelmäßig begangen und systematisch mit einem Metalldetektor prospektiert. Dadurch konnte ein umfangreiches Fundinventar insbesondere aus der ersten Hälfte des 1. Jahrtausends n. Chr. geborgen werden. Dazu gehören mehr zahlreiche Fibeln, römische Bronze- und Silbermünzen, römische Keramik sowie Reste der Metallverarbeitung. Außerdem konnten viele Objekte aus Blei oder Bleischmelze nachgewiesen werden, was auf ein vor Ort betriebenes umfangreiches Buntmetallschmiedehandwerk hindeutet.

Die in Elsfleth angetroffene Konzentration von Handels- und Handwerksrelikten kann als Niederschlag eines dichten Siedlungs- und Verkehrswegenetzes in der Flussmarsch gesehen werden, innerhalb dessen die Siedlung Hogenkamp die Funktion eines Umschlagplatzes und Ufermarktes zwischen den westlich und östlich anschließenden Geestgebieten eingenommen hat.

Sondagen des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege haben gezeigt, dass vor Ort mit hervorragenden Erhaltungsbedingungen für organische Materialien zu rechnen ist.

Das aus Elsfleth vorliegende Fundmaterial wurde von 2007 bis 2010 im Rahmen eines vom Mini­sterium für Wissenschaft und Kultur des Landes Niedersachsen (MWK) geförderten Projekts von Dr. K. Mückenberger kulturwissenschaftlich ausgewertet. 2012 hat er die Ergebnisse seiner Arbeit an der Universität Münster als Dissertation vorgelegt; die Arbeit wurde 2013 veröffentlicht.

Im Frühjahr 2016 werden die Forschungen in Elsfleth intensiviert, in dem im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projektes Ausgrabungen und landschafts­archäo­logische Untersuchungen durchgeführt werden sollen, um neue Erkenntnisse zur Besiedlungsform – und –struktur sowie zur gesellschaftlichen Organisationsform zu gewinnen.    

   

 

 

Fibelspektrum des Fundplatzes Elsfleth-Hogenkamp (Foto: NLD Hannover)

 

 

 

Literatur: 

Jöns, H., 2009: Überlegungen zu Transport- und Kommunikationswegen des 1. Jahrtausends im nordwestdeutschen Nordseeküstengebiet. In: S. Brather, Geuenich u. C. Huth (Hrsg.), Historia Archaeologica. Festschrift für Heiko Steuer zum 70. Geburtstag.. RGA-Ergänzungsbände 70. Berlin. 389-414.

Jöns, H., 2009: Organisation of communication and exchange between the coastal area and the hinterland in Northern Germany during the 1st millennium AD. C. J. C. Reuvenslezing 21. Amsterdam.

Scheschkewitz, J., 2006: Ein Zentrum an der Huntemündung. Archäologie in Niedersachsen 9, 2006, 104-107.

Mückenberger, K. 2013: Archäologische Funde des 1. Jahrtausends n.Chr. am Zusammenfluss von Hunte und Weser. Studien zur Landschafts- und Siedlungsgeschichte im südlichen Nordseegebiet 4. Rahden/Westf.

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